Wie kann ich Reenactment als Hobby mit einem Baby betreiben?

Eine Kiste für alles was ein Baby innerhalb von 4 Tagen auf einem Mittelaltermarkt braucht.Inzwischen ist es schon wieder ein paar Jahre her, dass sich uns diese Frage aufgedrängt hat. Klar gibt es viele gute Beispiele von Familien, die mit ihren Kindern und auch Babys unterwegs sind und ohne Probleme an Mittelaltermärkten teilnehmen. Doch gerade wenn sich einem diese Herausforderung das erste mal stellt macht man sich schon seine Gedanken.

  1. Auch wenn ich gut und gerne ein Wochenende im Mittelalterambiente eines Markts verbringen kann, einem Baby will man das höchstens optisch zumuten. Wie soll das gehen?
  2. Was machen wir ohne Strom?
  3. Nachts?
  4. Im Dunkeln?
  5. Das Feuer könnte gerade aus sein wenn spontaner tödlicher Hunger ausbricht?
  6. Was ist wenn es nur regnet?
  7. Wird es Nachts zu kalt?

Meine Idee einer Lösung dafür war eine Kiste. Eine Kiste mit den folgenden Anforderungen:

  1. In die Kiste passt alles was ein Baby für 4 Tage Mittelaltermarkt auch unter widrigen Umständen brauche könnte.
  2. Die Kiste sollte im geschlossenen Zustand nicht als offensichtlicher Störkörper im Lager wahrgenommen werden. Klar hier wird nichts authentisch, aber wenigstens auch nicht störend sein!

Was ergibt sich aus diesen Anforderungen? Im Wesentlichen stand im Pflichtenheft, dass ausreichend Babybrei, Milchpulver und Windeln für 4 Tage hineinpassen müssen. Dazu kommen reichlich winzige Klamotten für alle Wetterbedingungen und der ganze Kleinkram, den ein Baby oder zumindest seine Eltern meinen zu brauchen damit die kleine Welt nicht aus den Angeln gerät.

Davon abgesehen sollte das Zubereiten von Milch oder Brei bei jeglicher Wetterlage auch im Zelt möglich sein.

Fangen wir an und öffnen den Deckel der Wunderkiste, die das alles können soll 😉

Hier fällt zuerst die Gasdruckfeder auf, die den Deckel offen hält. Auch in einem Wiki-Zelt in der typischen an das Oseberg-Zelt angelehnten Form klappt einem so der Deckel nicht dauernd auf die Finger.

Eine kleine Kiste für dies und dasDie kleine Kiste kurz anhebenJacken, Decken oder Schlafsäcke kommen hier unterAuf der rechten Seite finden sich dann gleich Ablagen und eine kleine Kiste. Hier finden schon mal viele Kleinigkeiten Platz, die schnell im Griff sein sollten. Hebt man diese kleine Kiste an findet man ein größeres Fach, wo größere Sachen unterkommen können. Z.B. ein Schlafsack, Decken oder dickere Jacken sind hier gut aufgehoben.

Ein Schacht für Babybrei-GläschenAn dem Seil lassen sich die Etagen hochziehenNoch etwas rechts davon wird die Nahrungsaufnahme gesichert. Auch wenn viele Eltern es sicherlich lieber sehen auch auf Mittelaltermärkten irgendwas vernünftiges zu kochen (ein netter Pastinaken-Brei kommt immer gut an) ist für den Notfall ein Babybrei-Gläschen doch immer besser als nichts. In dem kleinen Fahrstuhl auf der rechten Seite lassen sich pro Etage 4 etwa gleich große Gläschen unterbringen. Damit ist die Versorgung auch an einem langen Wochenende weitgehend gesichert.

Die Steuerung ist von außen zugänglichNatürlich lässt sich der Kocher auch aus der Kiste entfernen um die Gaskartusche zu wechseln. Der Gaskocher lässt sich direkt in der Kiste betreibenKommen wir nun zu einem Highlight der Kiste. Wie bekomme ich den Brei oder das Wasser für die Milch warm? Und das möglichst schnell, denn langes Geschrei dazu noch mitten in der Nacht braucht keiner. Auf der linken Seite findet sich ein gut gesicherter Gaskocher. Dieser lässt sich direkt in der Kiste bedienen. Das macht die Gasdruckfeder doppelt sinnvoll! Er kann also direkt in der Kiste stehend genutzt werden und bietet somit die Möglichkeit unabhängig vom Wetter im Zelt zu kochen.

Die Klappe auf der linken Seite der Kiste Klappe für Camping-Topfset und Gas Bis zu 4 Kartuschen Gas. Mehr als reichlich! Für Töpfe und einen ausreichenden Vorrat an Gas ist natürlich auch gesorgt. An der Seite der Kiste findet sich eine kleine Klappe, hinter der 4 Kartuschen Gas und ein komplettes Camping-Topfset Platz haben.

Zuletzt gibt es einen weiteren Punkt, der eine Kiste oft kompliziert macht. Das was man gerade braucht liegt immer ganz unten und wenn man dieses etwas einmal herausgeholt hat ist der Rest der Kiste so gut durchgewühlt, dass man danach sicherlich gar nichts mehr wiederfindet. Ein Zustand der einem als frisch gebackener Vater schon mal den Angstschweiß auf die Stirn treiben kann:

„Hier ist eine große Kiste voll mit wichtigem Zeug! Suche den jetzt lebenswichtigen Schnuller und bleibe dabei unter einer viertel Stunde!“

Die Lösung für dieses Problem steckt hinter Tor 3!
(Garantiert kein Zonk)

Die komplette vordere Front lässt sich runterklappen.

Die komplette vordere Front lässt sich runterklappen.

Hinter dieser Klappe finden sich Fächer für Tücher und reichlich Windeln, sowie ein integriertes MOPPE-Regal von IKEA. Fein säuberlich beschriftet findet hier selbst ein übermüdeter Vater alles in annehmbarer Zeit.

Mehr Fächer für z.B. Handtücher Für alle Kleinigkeiten eine Schublade, fein säuberlich beschriftet.Anstatt dieser Decke können hier ausreichend Windeln gestapelt werdenDie vordere Klappe ist dabei doppelt gesichert, damit sie einem nicht auf die Füße fällt. Zum einen halten mehre Magnete die Klappe in der Senkrechten. Zum anderen sichert der geschlossene Truhendeckel die vordere Klappe durch eine Nut:

Sicherung der vorderen Klappe durch eine Nut im Truhendeckel.

Sicherung der vorderen Klappe durch eine Nut im Truhendeckel.

Uns hat diese Kiste nicht nur auf einem Markt gute Dienste geleistet und die Nerven geschont. Es ist viel Zeit und Gehirnschmalz in die Konzeption und den Bau geflossen, aber im Rückblick können wir sagen, dass es sich gelohnt hat.

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